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Abfluss verstopft in der Mietwohnung: Checkliste, um Kosten und Zuständigkeit sauber zu klären

Tobias

Ein verstopfter Abfluss in der Mietwohnung kommt meist ungelegen – und schnell stellt sich die Frage, wer den Einsatz einer professionellen Rohrreinigung bezahlt. Ob Mieter oder Vermieter zuständig ist, hängt weniger vom Ärgergrad als von Ursache, Vertrag und sauberer Dokumentation ab. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie typische Kostenfallen vermeiden, richtig kommunizieren und eine faire Lösung finden – ohne unnötigen Streit im Haus.

Grundsätzlich gilt: Der Vermieter trägt die Kosten für Instandhaltung und Instandsetzung der Mietsache. Sie als Mieter sind hingegen verpflichtet, die Wohnung sorgsam zu nutzen und Schäden, die Sie verursachen, zu vermeiden. Bei einer Verstopfung entscheidet daher meist die Ursache: Handelt es sich um normalen Verschleiß bzw. Ablagerungen im Leitungsnetz oder um eine Verstopfung durch falsche Nutzung (z. B. Feuchttücher, Speisereste, Fett)?

Wichtig ist außerdem, wer beauftragt und wie dokumentiert wird. Denn selbst wenn die Zuständigkeit eigentlich klar wäre, kann eine unglückliche Vorgehensweise (z. B. Notdienst ohne Info an die Hausverwaltung) die Kostenfrage unnötig komplizieren. Die folgenden Abschnitte helfen Ihnen, das Thema strukturiert anzugehen. Hinweis: Das ist keine Rechtsberatung, sondern eine praktische Orientierung.

Case Study: Wenn der Notdienst kommt – und am Ende niemand zahlen will

Familie K. wohnt seit drei Jahren in einer Mietwohnung. Zuerst lief das Wasser in der Küchenspüle nur langsam ab. Aus Zeitmangel wurde mehrfach ein aggressiver Rohrreiniger verwendet. Eines Abends staut sich das Wasser plötzlich zurück, die Spüle läuft über und der Küchenboden wird nass. In der Sorge vor Folgeschäden ruft Familie K. einen Abflussreinigung-Notdienst und lässt die Leitung spülen.

Die Rechnung: 480 Euro (Anfahrt, Notdienstpauschale, Hochdruckspülung). Als Familie K. die Kosten an den Vermieter weiterleitet, reagiert dieser ablehnend: Man hätte zuerst die Hausverwaltung informieren müssen, außerdem sei die Verstopfung vermutlich durch falsche Nutzung entstanden. Der Dienstleister vermerkt im Protokoll „starke Fettablagerungen, Hygieneartikel im Rohr“. Familie K. fühlt sich überrumpelt, denn der Installateur sagte vor Ort auch, die Leitungen seien „alt und eng“.

Der typische Fehler hier: keine klare Beweiskette. Ohne Fotos, Zeugen, schriftliche Meldung an den Vermieter und ohne eindeutige Diagnose (Verstopfung im Siphon? im Fallstrang? im Hauptrohr?) wird aus einem technischen Problem schnell ein Kostendisput. Genau deshalb lohnt sich ein strukturiertes Vorgehen.

How-to: In 5 Schritten zu einer fairen Kostenklärung

  1. Sofortmaßnahmen treffen und Schaden begrenzen

    Stellen Sie bei Rückstau das Wasser ab und vermeiden Sie alles, was Folgeschäden vergrößert. Legen Sie Handtücher aus, nutzen Sie einen Eimer, sichern Sie Schränke und dokumentieren Sie den Zustand.

    Machen Sie Fotos/Videos (Wasserstand, überlaufende Stelle, betroffene Flächen) und notieren Sie Datum/Uhrzeit. Verwenden Sie möglichst keine aggressiven Chemikalien, da diese Leitungen und Dichtungen angreifen können und die spätere Ursachenklärung erschweren.

  2. Eingrenzen, wo die Verstopfung liegt

    Prüfen Sie, ob nur ein einzelner Ablauf betroffen ist (z. B. nur die Küche) oder mehrere (Küche und Bad). Wenn mehrere Abflüsse gleichzeitig Probleme machen, kann das auf eine Störung im Fallstrang oder in gemeinschaftlichen Leitungen hindeuten.

    Ein einfacher, zumutbarer Check ist das Reinigen des Siphons (wenn Sie sich das zutrauen). Das ist oft schnell erledigt und kann Missverständnisse vermeiden. Wenn Sie unsicher sind: lieber dokumentieren und weitermachen mit Schritt 3.

  3. Vermieter oder Hausverwaltung sofort informieren (am besten schriftlich)

    Melden Sie die Störung umgehend per E-Mail oder über das Portal der Hausverwaltung. Beschreiben Sie kurz, was passiert, seit wann, welche Räume betroffen sind und ob bereits Wasser ausgetreten ist. Fügen Sie Fotos hinzu.

    Bitten Sie um Freigabe einer Fachfirma bzw. um eine Beauftragung durch den Vermieter. Ein Notdienst für Abflussreinigung ist dann sinnvoll, wenn akute Schäden drohen (z. B. Rückstau mit Überschwemmungsgefahr). Auch dann: möglichst vorher anrufen und die Dringlichkeit dokumentieren.

  4. Mietvertrag und Kostenregelungen prüfen (ohne sich zu verrennen)

    Schauen Sie in den Mietvertrag: Gibt es eine Kleinreparaturklausel und welche Obergrenzen gelten? Kleinreparaturen betreffen typischerweise häufig genutzte Teile in der Wohnung (z. B. Dichtungen, Armaturen) – nicht zwingend das Rohrnetz im Gebäude.

    Prüfen Sie außerdem die Nebenkosten/den Betriebskostenkatalog: Manche Posten beziehen sich auf Entwässerung oder Wartungen. Eine akute professionelle Rohrreinigung wegen Verstopfung ist jedoch häufig keine pauschale Betriebskostenposition, sondern hängt vom Einzelfall ab.

  5. Rechnung, Protokoll und Ursache sauber festhalten – das entscheidet

    Wenn eine Fachfirma kommt, bitten Sie um eine klare Leistungsbeschreibung: Wo war die Verstopfung (Siphon, Wohnungsanschluss, Fallstrang, Grundleitung)? Was wurde gefunden (Fett, Haare, Fremdkörper)? Welche Methode wurde eingesetzt (Spirale, Kamera, Spülung)?

    Wichtig: Wer Auftraggeber ist, steht meist auch für die Rechnung ein. Wenn Sie selbst beauftragen müssen, lassen Sie idealerweise schriftlich festhalten, dass es sich um einen akuten Schaden handelt und informieren Sie den Vermieter parallel. So erhöhen Sie die Chance, die Kosten später korrekt zuzuordnen.

Wenn die Ursache unklar bleibt (z. B. „Fettablagerungen“ versus „Leitung alt/defekt“), kann eine Kamerainspektion helfen. Das ist auch für Vermieter interessant, weil sich damit wiederkehrende Probleme im Strang oder in der Grundleitung erkennen lassen. Für Mieter ist es relevant, weil es die Diskussion vom Bauchgefühl hin zu Fakten verschiebt.

Pro Tips: So vermeiden Sie unnötige Kosten und Streit

  • Beauftragung klären: Wenn möglich, lassen Sie die Hausverwaltung eine Fachfirma beauftragen oder geben Sie sich die Freigabe schriftlich.
  • Keine Experimente: Feuchttücher, Fette und Speisereste sind häufige Auslöser – entsorgen Sie diese konsequent im Müll, nicht im Abfluss.
  • Dokumentation gewinnt: Fotos, Zeitpunkte, Schriftverkehr und ein präzises Einsatzprotokoll sind bei der Kostenfrage oft entscheidender als Vermutungen.
  • Notdienst nur bei echter Dringlichkeit: Außerhalb der Geschäftszeiten entstehen schnell hohe Pauschalen. Prüfen Sie, ob Absperren und Abwarten bis zum nächsten Werktag möglich ist.
  • Auf Leistungsumfang achten: Bei einem Rohrreinigungsservice sollten Positionen wie Anfahrt, Arbeitszeit, Material und Verfahren transparent aufgeführt sein.
  • Wiederkehrende Probleme melden: Wenn die Verstopfung häufiger auftritt, sprechen Sie das als mögliches Leitungsproblem an und regen eine Prüfung der gemeinschaftlichen Rohre an.

Quick Summary

Bei einer Abflussverstopfung in der Mietwohnung entscheidet meist die Ursache: normaler Verschleiß und Probleme im Gebäudenetz sprechen eher für Vermieterzuständigkeit, falsche Nutzung eher für Mieterkosten. Mit schneller Meldung, sauberer Dokumentation und klarer Beauftragung einer professionellen Rohrreinigung schaffen Sie die besten Voraussetzungen, damit die Kosten korrekt zugeordnet werden und die Sache technisch wie menschlich sauber gelöst wird.

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